Führerschein bestanden, was nun? Die praktische Prüfung bestanden zu haben ist ein großartiges Gefühl, doch viele frische Führerscheinbesitzer stellen sich sofort die Frage: Bekommt man den Führerschein direkt nach der Prüfung? Tatsächlich erhältst du zunächst eine vorläufige Fahrberechtigung, die in Verbindung mit deinem Personalausweis drei Monate gültig ist. Darf man direkt nach der Führerscheinprüfung fahren? Die Antwort ist ja, aber es gibt einiges zu beachten. In diesem Artikel zeige ich dir, was nach der bestandenen Führerscheinprüfung auf dich zukommt: von der Abholung deines Führerscheins nach der Prüfung über die Probezeit bis hin zu praktischen Tipps für deine ersten Fahrten als Fahranfänger.
Was passiert direkt nach der bestandenen Prüfung?
Vorläufige Fahrberechtigung erhalten
Direkt nach der bestandenen praktischen Prüfung händigt dir der Prüfer ein Dokument aus. Hat man am Prüfungstag bereits das Mindestalter erreicht, bekommt man vom Prüfer eine vorübergehende Fahrberechtigung ausgehändigt, welche ab diesem Tag in Verbindung mit dem Personalausweis drei Monate gültig ist. Dieses Dokument gilt in ganz Deutschland.
Allerdings gibt es Situationen, in denen du stattdessen nur eine Prüfbescheinigung erhältst. Diese berechtigt dich nicht zum Führen von Kraftfahrzeugen. Gründe hierfür können sein: Der erstellte Kartenführerschein enthält nichtzutreffende Klassenbezeichnungen, beispielsweise wenn verschiedene Klassen gleichzeitig beantragt wurden, jedoch die Prüfung erst in einer dieser Klassen erfolgreich abgelegt werden konnte. In diesen Fällen stellt die Fahrerlaubnisbehörde für diese Klasse eine vorläufige Fahrerlaubnis aus, damit diese auch schon genutzt werden kann.
Führerschein nach Prüfung abholen
Nach Anfertigung des Kartenführerscheins kann dieser in der jeweiligen Führerscheinstelle abgeholt werden. Hast du eine Prüfbescheinigung erhalten, kannst du während der Öffnungszeiten ohne Termin im Team Fahrerlaubnisangelegenheiten einen vorläufigen Führerschein erhalten. Leg dort deine Prüfbescheinigung und deinen Ausweis oder Reisepass vor.
Du kannst auch eine bevollmächtigte Person beauftragen. Die bevollmächtigte Person muss sich durch Vorlage einer schriftlichen Vollmacht und dem eigenen Ausweis oder Reisepass legitimieren. Für die Ausstellung einer vorläufigen Fahrberechtigung fallen Gebühren in Höhe von 10 EUR an.
Darf man direkt nach der Führerscheinprüfung fahren?
Die Antwort hängt davon ab, welches Dokument du erhalten hast. Mit dem vorläufigen Nachweis der Fahrerlaubnis darfst du sofort fahren, sobald du ihn in der Hand hältst. Dieses Dokument berechtigt dich in Verbindung mit deinem Personalausweis zum Führen von Kraftfahrzeugen der bestandenen Klasse.
Hast du hingegen nur eine weiße Prüfbescheinigung bekommen, darfst du nicht fahren. Du musst zunächst die Führerscheinstelle aufsuchen und dort die vorläufige Fahrberechtigung abholen. Erst dann bist du berechtigt, am Straßenverkehr teilzunehmen.
Wichtige erste Schritte als Fahranfänger
Kfz-Versicherung für Fahranfänger abschließen
Bevor du dein erstes Auto anmeldest, brauchst du eine Kfz-Haftpflichtversicherung. Diese ist gesetzlich vorgeschrieben. Versicherungen stufen Fahranfänger in die Schadenfreiheitsklasse 0 ein, was zu Beiträgen von rund 1.000 Euro pro Jahr führt. Der Grund: Statistisch gesehen trägst du als Fahranfänger ein höheres Unfallrisiko.
Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten, Kosten zu senken. Die günstigste Option ist oft, dein Fahrzeug über die Eltern als Zweitwagen zu versichern. Dabei profitierst du von deren Schadenfreiheitsklasse. Hast du am Begleiteten Fahren teilgenommen, bieten viele Versicherer Ermäßigungen an. Einige verzichten sogar auf Risikozuschläge und rechnen bis zu 3 schadenfreie Jahre an.
Fahrzeug anmelden oder überschreiben
Ohne Zulassung darfst du dein Fahrzeug nicht im Straßenverkehr bewegen. Für die Anmeldung bei der Zulassungsstelle benötigst du die elektronische Versicherungsbestätigung (eVB-Nummer), die du direkt nach Versicherungsabschluss erhältst. Darüber hinaus brauchst du deinen Personalausweis, die Zulassungsbescheinigung Teil II (Fahrzeugbrief) und bei Gebrauchtwagen den Nachweis der letzten Hauptuntersuchung.
Du kannst alternativ eine bevollmächtigte Person zur Anmeldung schicken, die eine schriftliche Vollmacht und eine Kopie deines Ausweises mitbringen muss. Seit September 2023 ist auch eine Online-Zulassung möglich, wobei du bis zu zehn Tage mit dem digitalen Zulassungsbescheid fahren darfst, bevor die Plakette angebracht sein muss.
Führerschein und Dokumente immer mitführen
Bei jeder Fahrt musst du den Führerschein im Original mitführen. Kopien oder beglaubigte Abschriften sind nicht zulässig. Ebenso verpflichtend ist die Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein). Kannst du diese Dokumente bei einer Kontrolle nicht vorzeigen, droht ein Bußgeld von 10 Euro. Wichtig ist, die Fahrzeugpapiere nicht dauerhaft im Auto zu lassen, da dies bei Diebstahl als grobe Fahrlässigkeit gilt.
Begleitetes Fahren ab 17: Übergangsregelungen
Hast du mit 17 die Prüfung bestanden, erhältst du eine Prüfungsbescheinigung, die bis drei Monate nach deinem 18. Geburtstag gültig ist. Ab dem 18. Geburtstag entfällt die Begleitpflicht automatisch. Du darfst dann in Deutschland ohne Begleitperson fahren, bis du den Kartenführerschein abholst. Im Ausland gilt die Prüfungsbescheinigung allerdings nicht mehr.
Die Probezeit: Das musst du als Fahranfänger beachten
Dauer und Bedeutung der Probezeit
Mit Erhalt deines Führerscheins beginnt automatisch die Probezeit, die grundsätzlich zwei Jahre dauert. Sie gilt für die Führerscheinklassen A, A1, A2, B und BE. Ausgenommen sind die Klassen AM (Kleinkrafträder) sowie L und T für landwirtschaftliche Fahrzeuge.
Die Probezeit musst du nur einmal durchlaufen. Wenn du während dieser Zeit eine weitere Führerscheinprüfung ablegst, beginnt keine neue Probezeit. Der Gesetzgeber verfolgt mit dieser Regelung ein klares Ziel: Fahranfänger sollen zu besonders vorsichtigem Fahren angehalten werden, da sie statistisch gesehen ein höheres Unfallrisiko tragen.
A-Verstöße und B-Verstöße: Was ist der Unterschied?
Verkehrsverstöße werden in zwei Kategorien eingeteilt. A-Verstöße sind schwerwiegende Delikte, die bereits beim ersten Mal drastische Konsequenzen nach sich ziehen. Dazu zählen:
- Geschwindigkeitsüberschreitungen ab 21 km/h
- Rotlichtverstöße
- Alkohol am Steuer (0,0-Promille-Grenze)
- Handy am Steuer
- Zu geringer Sicherheitsabstand
B-Verstöße sind weniger schwerwiegend. Hierzu gehören das Fahren mit abgefahrenen Reifen, defekte Beleuchtung oder das Überziehen der Hauptuntersuchung um mehr als acht Monate. Erst zwei B-Verstöße ziehen die gleichen Konsequenzen nach sich wie ein A-Verstoß.
Aufbauseminar und Verlängerung der Probezeit
Ein A-Verstoß oder zwei B-Verstöße führen zur Anordnung eines Aufbauseminars und verlängern deine Probezeit auf insgesamt vier Jahre. Das Seminar besteht aus vier Sitzungen von jeweils 135 Minuten sowie einer Beobachtungsfahrt. Die Kosten liegen zwischen 200 und 500 Euro.
Punktesystem in Flensburg für Fahranfänger
Das Fahreignungsregister und die Probezeitmaßnahmen laufen parallel, aber unabhängig voneinander. Du darfst maximal sieben Punkte ansammeln, bevor bei acht Punkten die Entziehung der Fahrerlaubnis droht.
Praktische Tipps für deine ersten Fahrten
Die erste Fahrt alleine meistern
Starte mit bekannten Strecken in vertrauter Umgebung und halte die Fahrten zunächst kurz. Vermeide Berufsverkehr, komplexe Kreuzungen und Autobahnfahrten beim ersten Mal. Fahre tagsüber bei guten Wetterverhältnissen. Stelle vor der Fahrt Sitz, Lenkrad und Spiegel richtig ein. Schalte dein Smartphone auf “Nicht stören”, um Ablenkungen zu vermeiden.
Übung macht den Meister: Regelmäßig fahren
Fahrroutine stellt sich erst ab etwa 70.000 gefahrenen Kilometern beziehungsweise sieben Jahren Fahrpraxis ein. Je öfter du fährst, desto automatischer werden die Abläufe und desto ruhiger reagierst du. Fahre regelmäßig, um Routine und Selbstvertrauen zu gewinnen. Beginne mit bekannten Strecken und steigere dich langsam zu Autobahnfahrten oder Nachtfahrten.
Häufige Fehler von Fahranfängern vermeiden
Rund 17,8 Prozent aller Unfälle lassen sich auf überhöhte Geschwindigkeit zurückführen. Zu dichtes Auffahren ist für 14,3 Prozent aller Unfälle verantwortlich. Unfälle wegen Missachtung der Vorfahrtsregeln machen 10,1 Prozent aus. Weitere typische Fehler sind das Übersehen des toten Winkels beim Spurwechsel sowie Ablenkungen durch Handy oder laute Musik.
Bei Unsicherheit: Weiterbildung und Fahrsicherheitstraining
Der ADAC bietet spezielle Trainings für junge Fahrer zwischen 17 und 25 Jahren an. Die Dauer beträgt circa 8 Stunden. Trainingsinhalte umfassen Vollbremsungen, Ausweichmanöver und Kurvenfahrten auf unterschiedlichen Untergründen.
Schlussfolgerung
Den Führerschein zu bestehen ist zweifellos ein großer Erfolg, doch damit beginnt erst deine eigentliche Reise als Autofahrer. Die Probezeit mag anfangs streng erscheinen, aber sie dient deiner Sicherheit. Nutze die hier gezeigten Tipps, um dich schnell an den Straßenverkehr zu gewöhnen. Fahre regelmäßig, bleibe aufmerksam und scheue dich nicht, ein Fahrsicherheitstraining zu besuchen. Mit der richtigen Einstellung wirst du schon bald ein sicherer und routinierter Fahrer sein.
Häufig gestellte Fragen
Q1. Kann ich sofort nach der bestandenen Führerscheinprüfung Auto fahren? Ja, wenn du eine vorläufige Fahrberechtigung vom Prüfer erhalten hast, darfst du sofort fahren. Dieses Dokument ist in Verbindung mit deinem Personalausweis drei Monate gültig. Hast du jedoch nur eine weiße Prüfbescheinigung bekommen, musst du erst zur Führerscheinstelle gehen und dort die vorläufige Fahrberechtigung abholen, bevor du fahren darfst.
Q2. Wie lange dauert die Probezeit nach dem Führerschein? Die Probezeit dauert grundsätzlich zwei Jahre und beginnt automatisch mit Erhalt deines Führerscheins. Sie gilt für die Führerscheinklassen A, A1, A2, B und BE. Bei einem schwerwiegenden Verstoß (A-Verstoß) oder zwei weniger schweren Verstößen (B-Verstöße) verlängert sich die Probezeit auf insgesamt vier Jahre.
Q3. Was ist der Unterschied zwischen A-Verstößen und B-Verstößen in der Probezeit? A-Verstöße sind schwerwiegende Delikte wie Geschwindigkeitsüberschreitungen ab 21 km/h, Rotlichtverstöße, Alkohol am Steuer oder Handynutzung während der Fahrt. B-Verstöße sind weniger schwerwiegend und umfassen beispielsweise abgefahrene Reifen oder defekte Beleuchtung. Ein A-Verstoß oder zwei B-Verstöße führen zur Anordnung eines Aufbauseminars.
Q4. Wie kann ich als Fahranfänger bei der Kfz-Versicherung Geld sparen? Die günstigste Option ist oft, dein Fahrzeug über die Eltern als Zweitwagen zu versichern und von deren Schadenfreiheitsklasse zu profitieren. Wenn du am Begleiteten Fahren ab 17 teilgenommen hast, bieten viele Versicherer Ermäßigungen an. Einige verzichten sogar auf Risikozuschläge und rechnen bis zu drei schadenfreie Jahre an.
Q5. Welche Dokumente muss ich beim Autofahren immer dabei haben? Du musst bei jeder Fahrt deinen Führerschein im Original und die Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) mitführen. Kopien oder beglaubigte Abschriften sind nicht zulässig. Wenn du diese Dokumente bei einer Kontrolle nicht vorzeigen kannst, droht ein Bußgeld von 10 Euro.
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