Werner Dive Ballermann

Werner Dive Ballermann: Wie der Kölner die Mallorca-Legende erschuf

Die Legende vom Werner Dive Ballermann beginnt nicht mit Partys und Massentourismus, sondern mit einer Fußball-Mannschaft aus Köln und einem Neckermann-Katalog.

1972 flog Werner Dive erstmals mit dem FC Merowinger nach Mallorca, als kaum Deutsche die Insel besuchten. Mallorca war damals deutlich günstiger als heimische Urlaubsorte, sogar inklusive Flug. Was als einfacher Vereinsausflug begann, verwandelte sich in eine kulturelle Bewegung, die Millionen an den Strand von Palma brachte. Werner Dive aus Köln prägte damit nicht nur einen Begriff, sondern schuf eine ganze Ära. Wir zeigen dir, wie dieser Kölsche Jung die Mallorca-Legende erschuf und welches Vermächtnis er hinterließ.

Werner Dive: Der Kölner hinter dem Ballermann

Geboren 1944 in der Kölner Südstadt

Werner Dive kam am 21. Oktober 1944 mitten im Weltkrieg in Köln zur Welt. Seine Kindheit verbrachte er in der Elsaßstraße, einem Teil der Kölner Südstadt. Damals war dieses Viertel kein Szene-Bezirk, sondern ein Arbeiter-Quartier mit rauem Charme. Hier wuchs Dive auf, umgeben von Menschen, bei denen Karneval, Fußball und Geselligkeit zum Alltag gehörten. Diese Südstadt-Mentalität prägte ihn sein Leben lang und machte ihn zu dem, was er später verkörperte: ein Kölner durch und durch.

FC Merowinger und die Maischbottich-Kneipe

Der FC Merowinger war keine professionelle Fußballmannschaft, sondern eine Thekentruppe. Die Freunde trafen sich regelmäßig in der Kneipe “Merowinger Eck” in der gleichnamigen Straße. Dive übernahm früh Verantwortung in diesem Kreis und wurde später zum Ehrenpräsidenten ernannt. Seine eigene Eckkneipe, den Maischbottich in der Annostraße Ecke Dreikönigenstraße, betrieb er viele Jahre lang[63]. Der Maischbottich entwickelte sich zu einem Treffpunkt für Freunde, Karnevalisten und Stammgäste. 2013 schloss Dive die Kneipe im Alter von 68 Jahren[63]. Werner war das Herz dieser Truppe, organisierte, motivierte und hielt die Gruppe über Jahrzehnte zusammen. Nach Aussagen einiger Merowinger war er der Kitt, der die Truppe zusammenhielt.

Werner Dive Alter: 80 Jahre beim Tod

Am 1. Juli 2024 starb Werner Dive im Alter von 80 Jahren in seiner Wohnung in Köln[81][82]. Zuletzt hatte er immer wieder Herzprobleme, die ihm nach Berichten von Freunden “zu schaffen gemacht” hatten. Sein Tod löste immense Anteilnahme aus. Mehr als 220 Trauergäste nahmen an der Beerdigung in Zollstock teil. Die Trauerhalle platzte aus allen Nähten, viele Weggefährten und natürlich die Merowinger waren dabei.

Kölsche Jung durch und durch

Seine Welt war geprägt von Kölsch, FC Köln-Begeisterung und lokalen Traditionen. Dive verkörperte die rheinische Feierkultur mit ihrer Musik, ihrem Humor und ihrer Offenheit. Er war kein Promi, kein Politiker und kein Unternehmer, sondern ein Alltagsmensch: ein Kölner, wie er im Buche steht. Offen, herzlich, feierfreudig und treu zu seinen Freunden. Genau diese Eigenschaften machten ihn zur Symbolfigur einer Ära.

1972: Die Geburtsstunde des Ballermanns

Der Neckermann-Katalog und die erste Reise

Vor 1972 führten die Vereinsausflüge des FC Merowinger meistens an die Mosel oder den Rhein. Allerdings erwiesen sich diese Fahrten nach Boppard oder Cochem als zunehmend teuer. Werner Dive hatte eines Tages einen Neckermann-Katalog in der Hand: Vier Übernachtungen im Hotel “Dunas Blancas”, inklusive Flug für 399 Mark. Die Entscheidung fiel schnell. “Dat maache mer”, waren sich Kicker und Kegler einig.

Vom Balneario 6 zum Ballermann 6

1972 tauchte der FC Merowinger erstmals an der Playa auf. Der Treffpunkt der Truppe wurde über die Jahre der Balneario 6 am Strand, ursprünglich eine Umkleidekabine, wo auch für wenige Peseten Bier ausgeschenkt wurde. Diese Strandbude Nummer 6, ein weiß und orange gefliester Flachbau, war bei Deutschen besonders beliebt, weil sie in der Nähe der von ihnen frequentierten Hotels lag. Dabei entwickelte sich aus dem simplen Badehaus ein kulturelles Zentrum für deutsche Urlauber.

Kölsch, Gulaschsuppe und Karnevalskostüme

Zur Sicherheit mit Gulaschsuppe und reichlich Kölsch im Handgepäck ging es los – “wir wussten ja nicht, was uns erwartet”. In den Folgejahren lief die Organisation professioneller ab. Jedes Mitglied hatte im Handgepäck ein 20 Liter-Fass-Kölsch dabei. Werner Dive und seine Kumpel brachten den Karneval auf die Insel: “Wir haben die Kellner im Hotel und am Strand verkleidet. Die kannten so was ja gar nicht, aber fanden es klasse”. Sogar in Original-Ornaten eines Dreigestirns wurde gefeiert.

Wie der Begriff entstand

Der Treffpunkt “Balneario”, übersetzt “Badehaus”, wollte den Kölnern mit steigendem Alkoholpegel allerdings immer schwerer über die Lippen kommen. “Irgendwann haben wir dann Ballermann gesagt”, erklärte Werner Dive später. Im besten Kölsch schob er hinterher: “Jo, mer han uns so su jähn eine jeballert. Un dat han mer den janzen Daach jemaht, et hätt jo nix jekost”. Was 1972 mit dem Besuch des FC Merowinger und der scherzhaften Umbenennung von “Balneario” in “Ballermann” begann, sollte einen ganzen Küstenabschnitt prägen.

FC Merowinger: Die Truppe die Mallorca veränderte

Von der Thekentruppe zum Ballermann-Pionier

Der FC Merowinger entstand 1962 als klassische Thekentruppe in der Kölner Südstadt. Gegründet in der gleichnamigen Bar, bestand die Mannschaft aus einfachen Arbeitern, ehemaligen Wehrmachtssoldaten und Menschen aus dem Milieu. Männer, bei denen Muskelkraft mehr zählte als feines Benehmen. Zehn Jahre blieb die Mannschaft unbesiegt und holte zweimal die Stadtmeisterschaft. Damals hatte jede Kneipe eine eigene Fußballmannschaft aus Kumpels, die sich in der Bar trafen. Daraus entwickelte sich mehr als nur ein Sportverein: eine verschworene Gemeinschaft, die über Jahrzehnte zusammenhielt.

Die jährliche Kölsche Woche im September

Nach der ersten Reise 1972 etablierte sich ein fester Rhythmus: Jedes Jahr im September, ursprünglich in der zweiten Woche, reiste die Truppe geschlossen an die Playa. Immer zur gleichen Zeit, immer im gleichen Hotel Dunas Blancas. Die Merowinger brachten riesige Banner mit, ein acht Meter hoher Fahnenmast wurde im Sand aufgestellt. “FC Merowinger Colonia” wehte weithin sichtbar über der Playa. Bis zu 400 Leute erschienen bei ihren Feiern im Hotel. Künstler standen Schlange, um kostenlos auftreten zu dürfen. Aus dieser einen Woche wuchs die “Kölsche Woche”, die sich mittlerweile zu einem ganzen rheinischen Monat ausdehnte.

Tradition und Zusammenhalt über 50 Jahre

Von 1972 bis 2024 reisten die Merowinger ununterbrochen nach Mallorca. Nur Corona unterbrach diese Tradition kurzzeitig. Werner Dive organisierte jede einzelne Reise von Anfang bis Ende. Die Verbundenheit zur Insel blieb trotz aller Veränderungen am Ballermann bestehen. Allerdings klagte Willi Krömert: “Nach und nach sterben uns die Mitglieder weg. Die Jugend von heute ist nicht mehr so trinkfest oder hat andere Interessen”. Die Merowinger grenzten sich vom üblichen Eimersaufen ab. Im Laufe der Jahre wurde klar: Diese Truppe hatte etwas Einzigartiges geschaffen.

Werner Dives Tod und sein bleibendes Vermächtnis

Gestorben am 1. Juli 2024 in Köln

Nach schwerer Krankheit verstarb Werner Dive in der Nacht zu Dienstag, dem 1. Juli 2024. Er starb dort, wo er geboren wurde: in der Elsaßstraße. Der Notarzt vor Ort konnte nichts mehr für ihn tun. Seine Frau war bereits einige Jahre zuvor verstorben, was ihm “zu schaffen gemacht” hatte. Auf Social Media verabschiedeten sich Hunderte von der Kölschen Ikone. “Mach et joot, Legende!” schrieb einer. Ein anderer fasste es treffend zusammen: “Ich hoffe, im Himmel gibt es Kölsch, sonst gibt es dort mit Werner einen Riesenärger”.

Die letzte Kölsche Woche 2024

Die 54. Reise an den Ballermann wurde abgesagt. Vereinsmitglieder reagierten mit Entsetzen. “Werner würde sich im Grabe umdrehen”, sagte einer. Die traditionelle Karnevalsparty am 17. September wurde wohl eher eine Trauerfeier. Willi Krömert, ehemaliger Präsident, reiste gar nicht erst an.

Was aus dem Ballermann wurde

André Engelhardt ließ sich 1994 die Markenrechte an “Ballermann” schützen und verdiente Millionen. Werner Dive hätte dasselbe tun können, doch Geld war für ihn Nebensache. Freundschaft und Zusammenhalt zählten mehr.

Die Merowinger ohne Werner Dive

Ohne Werner Dive wird der FC Merowinger nie wieder so feiern wie in den letzten 53 Jahren. Somit starb mit ihm die älteste Tradition, die der Ballermann zu bieten hatte: die Kölsche Woche des FC Merowinger.

Schlussfolgerung

Werner Dive hätte Millionen verdienen können, entschied sich aber bewusst dagegen. Seine Prioritäten lagen woanders: bei Freundschaft, Tradition und kölscher Lebensart. Insgesamt erschuf dieser Südstädter etwas, das weit über ihn hinauswuchs, ohne dabei seine Wurzeln zu verlieren.

Vor allem beeindruckt mich, dass er 53 Jahre lang dieselbe Reise organisierte, ohne je den kommerziellen Weg zu gehen. Letztendlich starb mit ihm nicht nur eine Legende, sondern die authentischste Tradition des Ballermanns.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *