Götz George

Götz George: Was seine Schimanski-Rolle über deutschen Film verrät

Götz George prägte über mehr als fünf Jahrzehnte die deutsche Film- und Fernsehlandschaft. Vor allem seine Darstellung des Duisburger Hauptkommissars Horst Schimanski, den er insgesamt 48 Mal verkörperte, machte ihn zur Kultfigur. Doch seine Karriere war weitaus vielseitiger: von den Filmen von Götz George in tragischen Charakterrollen bis hin zu satirischen Meisterwerken.

In diesem Artikel zeige ich, wie der Vater von Götz George sein Erbe prägte, welchen Weg Götz George jung einschlug und warum seine Tatort-Rolle mehr über den deutschen Film verrät, als wir zunächst vermuten. Darüber hinaus werfen wir einen Blick auf sein Privatleben, seine Ehefrau und die künstlerische Entwicklung, die ihn zum mehrfach ausgezeichneten Charakterdarsteller machte.

Von Heinrich zu Götz George: Eine Schauspieldynastie

Vater von Götz George und sein Erbe

Heinrich George war bereits während der Weimarer Republik ein berühmter Film- und Theaterstar. Seine Paraderolle spielte er als Götz von Berlichingen, weshalb er seinem zweiten Sohn, geboren am 23. Juli 1938, den Vornamen Götz gab. Trotz anfänglich oppositioneller Haltung arrangierte sich der Schauspieler mit der NS-Diktatur und etablierte sich als Charakterdarsteller in der NS-Filmpropaganda. Joseph Goebbels ernannte ihn zum Intendanten des Berliner Schillertheaters.

Nach Kriegsende verhaftete das sowjetische Militärregime Heinrich George als “einen der angesehensten faschistischen Künstler Deutschlands”. Er starb 1946 im Speziallager Sachsenhausen an den Folgen einer Blinddarmentzündung. Götz war zu diesem Zeitpunkt sieben Jahre alt. Seine Mutter Berta Drews, ebenfalls eine bekannte Schauspielerin, erzog ihn und seinen älteren Bruder Jan fortan allein in Berlin.

Götz George jung: Frühe Jahre und Ausbildung

Götz wuchs mit seinem sieben Jahre älteren Bruder Jan bei der Mutter in Berlin auf. Er besuchte zunächst in Berlin-Lichterfelde die Berthold-Otto-Schule und dann bis zur Mittleren Reife das Lyceum Alpinum im schweizerischen Zuoz. Sein Bühnendebüt hatte Götz George im Alter von zwölf Jahren 1950 in William Saroyans “Mein Herz ist im Hochland” am Berliner Hebbel-Theater[32].

Mit knapp 14 Jahren war er 1951 bei der Wiedereröffnung des Schiller Theaters in “Wilhelm Tell” zu sehen. Von 1955 bis 1958 studierte er am Berliner UFA-Nachwuchsstudio bei Else Bongers. Diese formale Ausbildung legte das Fundament für seine spätere Karriere. Im selben Jahr spielte er erstmals, wie später noch oft, an der Seite seiner Mutter Berta Drews in Shakespeares “Richard III.”.

Der Weg zur Schauspielkarriere

Die entscheidende schauspielerische Ausbildung erhielt Götz George von 1958 bis 1963. Auf den Rat seiner Mutter hin spielte er am Deutschen Theater in Göttingen unter der Leitung von Heinz Hilpert. Nach dessen Tod schloss er sich nie wieder einem festen Ensemble an.

Seine erste kleine Filmrolle bekam der 15-jährige George 1953 neben Romy Schneider in “Wenn der weiße Flieder wieder blüht”[32]. In dem DEFA-Film “Alter Kahn und junge Liebe” stand er 1956 das erste Mal in einer Hauptrolle vor der Kamera. Mit dem Film “Jacqueline” gelang George 1959 der Durchbruch bei Kritik und Publikum[32]. Für seine Rolle als mittelloser Boxer wurde er mit dem Preis der deutschen Filmkritik und mit dem Deutschen Filmpreis als Bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet[32].

Die Schimanski-Revolution im deutschen Tatort

Warum Schimanski anders war

Am 28. Juni 1981 betrat Götz George als Horst Schimanski das Tatort-Universum. Sein erster Satz lautete: “Hotte, du Idiot, hör auf mit der Scheiße!”. Die Regisseure Hajo Gies und Bernd Schwamm entwickelten bewusst einen neuen Typus des deutschen Fernsehkommissars. Schimanski war jung, impulsiv, emotional und bodenständig. Mit offenem Hemd, abgewetzter beiger M-65-Feldjacke und Cowboystiefeln passte er nicht ins Bild des seriösen Ermittlers.

Der Kommissar trank Alkohol, prügelte sich und pflegte Affären. Er aß täglich Buletten und war geschieden. Statt Türen vorsichtig zu öffnen, trat Schimmi sie ein. Gies beschrieb die deutsche Fernsehlandschaft der späten 1970er als “recht spießig und langweilig”. Die damaligen Tatort-Kommissare wie Heinz Haferkamp agierten seriös und neutral.

Götz George Tatort: Reaktionen und Kontroversen

Die Neue Ruhr Zeitung forderte nach der Erstausstrahlung: “Werft den Prügel-Kommissar aus dem Programm!”. Die Bild am Sonntag schrieb: “Der Ruhrpott kocht. Sind wir alle Mörder oder Trinker?”. Die Passauer Neue Presse empörte sich über “Gassenjargon, gemixt mit handfesten Schlägereien”. Allerdings war die taz begeistert: “Solche Bullen braucht das Land!”.

Die Bild zählte bei jeder Folge, wie oft Schimanski “Scheiße” sagte. Schimanskis Kollege Thanner führte sogar eine Strichliste: “schon 18 Mal!”.

Der Kultstatus des Ruhrpott-Kommissars

Gut 15 Millionen Zuschauer schauten 1981 die Erstausstrahlung. Die letzte Folge “Der Fall Schimanski” erreichte 16,68 Millionen Zuschauer. In einer Emnid-Umfrage 2008 wurde Schimanski zum beliebtesten Tatort-Ermittler gewählt. Duisburg benannte 2022 eine Straße nach ihm.

Schimanski als Spiegel der 1980er Jahre

Im Ruhrgebiet vollzog sich der Strukturwandel in sozialer Härte. Zechen schlossen, Menschen wurden arbeitslos. Schimanski traf den Nerv der Zuschauer und wurde zur Ruhrpott-Ikone.

Was Schimanski über den deutschen Film verrät

Realismus statt Hochglanz: Ein neuer Filmstil

Mit Schimanski stellte Götz George einen populären, modernen Realismus auf die Beine. Bei der TV-Premiere der ersten Folge “Duisburg-Ruhrort” 1981 spürten alle, wie sehr das zuvor vermisst wurde. Es war die Definition einer anderen Generation und das Ende des unmittelbaren Nachkriegsfernsehens.

Eine Gruppe junger Filmschaffender wollte das Fernsehen besser und kinohafter machen. Sie waren Absolventen der ersten Jahrgänge der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film und gehörten der als 68er bezeichneten Generation an. Von der Dramaturgie über die Erzählperspektive bis zur ästhetischen Umsetzung konzipierten sie den Tatort neu.

Arbeiterklasse im deutschen Fernsehen

Endlich konnte man gemeinsam fröhlich “Scheiße” zu dieser verfaulenden korrupten West-Republik sagen. Über die Abgründe der großindustriellen Verbrechen rheinauf- und rheinabwärts konnte man mit einem TV-Bullen beim Bier “Oh, Mann!” seufzen. Marius Müller-Westernhagen hatte mit der erfolgreichen Verlierer-Figur “Theo” 1980 den Weg bereitet für den Typus Ruhrpott-Mann im deutschen Kino.

Sprache und Authentizität als Filmkritik

Regisseur Hajo Gies kannte sich nach seinem Soziologiestudium bei Adorno bestens aus mit dem Jargon der einfachen Leute. Schimanski raunzte und brummte sich durch die deutsche Fernsehlandschaft. Man spricht eine Sprache in Duisburg.

Der Einfluss auf nachfolgende Produktionen

Schimanski brachte zwei Kinofilme hervor, was als Meilenstein zu bezeichnen ist. Nicht weil die Filme so gut waren, sondern weil es möglich war, den deutschen Krimi nach mehr als zehn Jahren endlich wieder auf die Leinwand zu bringen.

Filme von Götz George jenseits von Schimanski

Charakterrollen: Vom Totmacher bis Schtonk!

Seine darstellerische Vielseitigkeit bewies George in anspruchsvollen tragischen und satirisch-komödiantischen Rollen. In Der Totmacher (1995) verkörperte er den Serienmörder Fritz Haarmann in einem minimalistischen Kammerspiel. Diese Leistung brachte ihm den Darstellerpreis der Filmfestspiele von Venedig und den vierten Deutschen Filmpreis ein. Als Skandalreporter Hermann Willié in Helmut Dietls Satire Schtonk! über die gefälschten Hitler-Tagebücher erhielt er 1992 den Deutschen Filmpreis als Bester Darsteller. Der Film wurde 1993 als bester fremdsprachiger Film bei den Oscars und Golden Globes nominiert. Darüber hinaus spielte George in mehreren Filmen von Helmut Dietl komödiantische Rollen: als Regisseur Uhu Zigeuner in Rossini und als todkranker Bundeskanzler in Zettl.

Götz George Ehefrau und Privatleben im Kontext

Von 1966 bis 1976 war George mit der Schauspielerin Loni von Friedl verheiratet. Die gemeinsame Tochter Tanja, geboren 1967, führte bei Kurzfilmen Regie. Von 1984 bis 1996 lebte er mit der Regieassistentin Gabi Pauler zusammen. Ab 1998 verband ihn eine Beziehung mit der Hamburger Journalistin Marika Ullrich, die er 2014 heimlich heiratete. Mit ihr fand er auf Sardinien seinen Rückzugsort.

Späte Meisterwerke und das Heinrich-George-Porträt

In einem seiner letzten Filmauftritte stellte er 2013 im TV-Dokudrama George seinen Vater Heinrich George dar. Für die Dreharbeiten besuchte er das Lager Sachsenhausen, wo sein Vater starb. 2015 stand er zum letzten Mal vor der Kamera: Im ARD-Krimi-Drama Böse Wetter spielte er einen Bergbau-Baron im Harz.

Schlussfolgerung

Götz George hat dem deutschen Fernsehen einen unbequemen Helden geschenkt, der über Jahrzehnte nachwirkt. Seine Schimanski-Rolle veränderte die TV-Landschaft grundlegend und ebnete den Weg für authentischere Erzählweisen. Zweifelsohne bewies George darüber hinaus mit Rollen in “Der Totmacher” und “Schtonk!” seine außergewöhnliche Wandlungsfähigkeit. Letztendlich verkörperte er mehr als nur einen Kommissar: Er spiegelte den gesellschaftlichen Wandel seiner Zeit und prägte Generationen von Zuschauern.

FAQs

Q1. Wie viele Tatort-Folgen spielte Götz George als Schimanski? Götz George verkörperte den Duisburger Hauptkommissar Horst Schimanski insgesamt 48 Mal. Seine erste Folge lief am 28. Juni 1981, und die letzte Folge “Der Fall Schimanski” erreichte 16,68 Millionen Zuschauer.

Q2. Welche bedeutenden Filme spielte Götz George außerhalb der Schimanski-Rolle? Neben Schimanski zeigte George seine Vielseitigkeit in anspruchsvollen Rollen. In “Der Totmacher” (1995) spielte er den Serienmörder Fritz Haarmann und erhielt dafür den Darstellerpreis in Venedig. In der Satire “Schtonk!” verkörperte er 1992 den Skandalreporter Hermann Willié und gewann den Deutschen Filmpreis als Bester Darsteller.

Q3. Wer war der Vater von Götz George? Heinrich George, ein berühmter Film- und Theaterstar der Weimarer Republik, war der Vater von Götz George. Er benannte seinen am 23. Juli 1938 geborenen Sohn nach seiner Paraderolle als Götz von Berlichingen. Heinrich George starb 1946 im Speziallager Sachsenhausen.

Q4. Warum war die Figur Schimanski so revolutionär für das deutsche Fernsehen? Schimanski brach mit dem Bild des seriösen Ermittlers: Er trug eine abgewetzte Feldjacke, trank Alkohol, prügelte sich und verwendete derbe Sprache. Diese authentische Darstellung eines bodenständigen Ruhrpott-Kommissars traf den Nerv der Zeit und beendete das spießige Nachkriegsfernsehen.

Q5. Mit wem war Götz George verheiratet? Götz George war von 1966 bis 1976 mit der Schauspielerin Loni von Friedl verheiratet, mit der er eine Tochter namens Tanja hatte. Ab 1998 führte er eine Beziehung mit der Hamburger Journalistin Marika Ullrich, die er 2014 heimlich heiratete.

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